Die Tage werden kürzer, die Beete leerer und eigentlich denkt man im Herbst eher ans Aufräumen als an Schädlinge. Genau jetzt sind aber viele von ihnen noch richtig aktiv, nur eben dort, wo man sie nicht sieht: im Boden, in den Wurzeln oder im Vorratsschrank. In diesem Artikel erfährst du, welche Schädlinge dir im Herbst begegnen, welche Nützlinge du jetzt noch einsetzen kannst, warum die Bodentemperatur dabei so wichtig ist und bei welchen Schädlingen du besser bis zum Frühjahr wartest.
Warum sich der Herbst für Nützlinge lohnt
Viele Schädlinge im Garten legen im Spätsommer ihre Eier ab. Im Herbst schlüpfen die Larven und fangen an zu fressen. Das ist praktisch, denn junge Larven sind klein, sitzen nah an der Oberfläche und lassen sich deshalb gut bekämpfen. Im Frühjahr sind dieselben Larven größer, robuster und haben oft schon einiges an Wurzeln abgefressen.
Ich gebe zu: Früher hätte ich bei braunen Stellen im Rasen einfach zum nächstbesten Mittel aus dem Baumarkt gegriffen. Heute weiß ich, dass es auch anders geht. Mein Motto seitdem: Schädlinge bekämpfen ohne Gift, und zwar mit natürlichen Gegenspielern. Dazu gehören zum Beispiel Nematoden, also winzige Fadenwürmer, die gezielt bestimmte Insektenlarven befallen. Für Menschen, Haustiere und Pflanzen sind sie unbedenklich. Der Haken: Nematoden brauchen die richtigen Bedingungen, und im Herbst ist vor allem eine davon entscheidend.
Die Bodentemperatur entscheidet
Nematoden sind lebende Tiere. Ist der Boden zu kalt, werden sie träge und finden ihre Beute nicht mehr. Viele Nematoden-Arten, die im Garten eingesetzt werden, brauchen eine Bodentemperatur von mindestens 12 °C. Entscheidend ist dabei die Temperatur des Bodens, nicht die der Luft. Der Boden speichert Wärme und kühlt im Herbst langsamer ab als die Luft. Deshalb kann es an einem frischen Oktobermorgen draußen kalt sein, während der Boden noch warm genug ist.
So misst du die Bodentemperatur
Am einfachsten geht das mit einem Bodenthermometer, das du ein paar Zentimeter tief in die Erde steckst. Miss am besten an mehreren Tagen hintereinander, und zwar morgens, denn dann ist der Boden am kühlsten. Liegt der Wert beständig bei 12 °C oder darüber, kannst du loslegen. In vielen Regionen Deutschlands ist das im September und teilweise noch Anfang Oktober der Fall. Fällt die Temperatur dauerhaft darunter, lohnt sich der Einsatz der meisten Nematoden erst wieder im Frühjahr.
Diese Schädlinge kannst du im Herbst noch bekämpfen
Engerlinge im Rasen
Engerlinge sind die weißen, C-förmig gekrümmten Larven verschiedener Käfer. Im Rasen stammen sie häufig vom Gartenlaubkäfer, aber auch vom Junikäfer. Sie fressen an den Graswurzeln, sodass sich der Rasen stellenweise wie ein Teppich anheben lässt. Ein typisches Warnsignal sind auch Vögel oder Dachse, die den Rasen auf der Suche nach Larven aufwühlen.
Gegen Engerlinge helfen Nematoden der Art Heterorhabditis bacteriophora. Sie dringen in die Larven ein und geben ein Bakterium ab, das die Larven abtötet. Bei Engerlingen des Gartenlaubkäfers sind der Spätsommer und der frühe Herbst eine gute Zeit dafür, solange der Boden warm genug ist. Wichtig zu wissen: Beim Junikäfer lässt sich nur das erste Larvenstadium mit Nematoden bekämpfen. Der beste Zeitpunkt liegt hier schon zwischen Ende Juli und Mitte August, im Herbst ist es meistens zu spät. Weil sich die Käferarten so unterscheiden, lohnt es sich, vorher genau hinzuschauen, welche Engerlinge in deinem Rasen stecken.
Larven des Dickmaulrüsslers
Siehst du an Rhododendron, Kirschlorbeer oder Erdbeeren halbrunde Fraßstellen am Blattrand (sogenannter Buchtenfraß), war vermutlich der Dickmaulrüssler unterwegs. Der Käfer selbst richtet aber gar nicht den größten Schaden an. Das tun seine Larven, die ab dem Spätsommer im Boden leben und die Wurzeln fressen. Im schlimmsten Fall welkt die Pflanze, obwohl du regelmäßig gießt.
Auch hier hilft Heterorhabditis bacteriophora, solange der Boden mindestens 12 °C warm ist. Das ist meist bis Anfang Oktober der Fall. Ist es bereits kühler, gibt es eine Alternative: Nematoden der Art Steinernema kraussei sind bereits ab etwa 5 °C aktiv. Damit kannst du auch im späteren Herbst noch etwas gegen die Larven tun.
Übrigens: Wer im Herbst ohnehin im Garten unterwegs ist, kann die Gelegenheit nutzen, Beete und Kübel winterfest zu machen. Wenn du dafür noch Ideen suchst, findest du viele praktische Gartentipps und Ideen rund um Wohnen und Haushalt.
Wiesenschnakenlarven
Die Larven der Wiesenschnake sind graubraun und beinlos. Sie fressen an den Graswurzeln und kommen in feuchten Nächten auch an die Oberfläche und machen sich dann über Gräser und junge Pflanzen her. Die Eier werden im Spätsommer abgelegt, wenige Wochen später schlüpfen die jungen Larven. Genau dann, vor allem im September, ist der beste Zeitpunkt für eine Behandlung mit Nematoden der Art Steinernema carpocapsae. Auch hier sollte der Boden mindestens 12 °C warm sein. Wartest du bis zum Frühjahr, sind die Larven größer und haben oft schon kahle Stellen im Rasen hinterlassen.
Schädlinge im Haus: Hier spielt die Jahreszeit kaum eine Rolle
Sobald es draußen kühler wird, verbringen wir mehr Zeit drinnen und bemerken plötzlich Schädlinge, die uns vorher nicht aufgefallen sind. Das Gute daran: In der Wohnung ist es warm genug, sodass Nützlinge dort das ganze Jahr über arbeiten können.
Trauermücken in Zimmerpflanzen
Kleine schwarze Fliegen, die aus der Blumenerde aufsteigen, sind meistens Trauermücken. Die Mücken selbst sind vor allem lästig. Ihre Larven leben aber in feuchter Erde und können an den feinen Wurzeln fressen, besonders bei jungen Pflanzen und Stecklingen. Im Herbst fällt das oft auf, wenn Balkonpflanzen zum Überwintern ins Haus geholt werden.
Gegen die Larven helfen Nematoden der Art Steinernema feltiae, die du einfach mit dem Gießwasser ausbringst. Zusätzlich lohnt es sich, die oberste Erdschicht zwischen den Wassergaben etwas abtrocknen zu lassen, denn die Larven mögen es feucht. Auch spannend: Blühkalender Stauden Tabelle 2026: Welche Blumen blühen wann im Garten?
Lebensmittel- und Kleidermotten
Motten im Vorratsschrank oder im Kleiderschrank haben mit der Jahreszeit wenig zu tun. Hier helfen Schlupfwespen der Gattung Trichogramma. Diese Tiere sind so winzig, dass du sie kaum siehst. Sie legen ihre eigenen Eier in die Eier der Motten, sodass daraus keine neuen Raupen mehr schlüpfen. Da Schlupfwespen nur die Eier befallen, werden sie über mehrere Wochen hinweg wiederholt ausgebracht, damit auch später abgelegte Motteneier erfasst werden. Befallene Lebensmittel solltest du trotzdem entsorgen und den Schrank gründlich reinigen. Sind keine Motteneier mehr da, verschwinden die Schlupfwespen von selbst.
Welche Nützlinge bis zum Frühjahr warten müssen
Nicht jede Bekämpfung ergibt im Herbst noch Sinn. Sobald der Boden dauerhaft kälter als 12 °C ist, wirken viele Nematoden im Garten nicht mehr zuverlässig. Dann ist es besser, den Befall zu beobachten und im Frühjahr zu handeln, sobald der Boden wieder warm genug ist.
Buchsbaumzünsler
Ein gutes Beispiel ist der Buchsbaumzünsler. Seine Raupen fressen bis in den Herbst hinein und ziehen sich dann in ein kleines Gespinst zwischen den Blättern zurück, um dort zu überwintern. Nematoden gegen den Buchsbaumzünsler werden auf die Blätter gesprüht. Hier zählt deshalb nicht die Bodentemperatur, sondern mildes Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit. An einem milden, feuchten Herbsttag kannst du noch aktive Raupen behandeln. Sind die Raupen aber schon in ihrer Winterruhe, lohnt sich die Behandlung erst wieder im Frühjahr. Die Raupen werden aktiv, sobald es dauerhaft wärmer als etwa 7 °C ist, meist ab April. Kontrolliere deinen Buchs bis dahin regelmäßig, damit du den richtigen Moment nicht verpasst.
Überblick: Welcher Nützling passt wann?
Die folgende Tabelle fasst zusammen, welcher Nützling gegen welchen Schädling hilft und wann du ihn im Herbst einsetzen kannst.
| Schädling | Passender Nützling | Wann im Herbst? |
|---|---|---|
| Engerlinge des Gartenlaubkäfers | Nematoden Heterorhabditis bacteriophora | Solange der Boden mindestens 12 °C warm ist |
| Larven des Dickmaulrüsslers | Nematoden Heterorhabditis bacteriophora oder Steinernema kraussei | Ab 12 °C, mit Steinernema kraussei schon ab etwa 5 °C |
| Wiesenschnakenlarven | Nematoden Steinernema carpocapsae | Vor allem im September, Boden mindestens 12 °C |
| Trauermücken | Nematoden Steinernema feltiae | Das ganze Jahr in der Wohnung |
| Lebensmittel- und Kleidermotten | Schlupfwespen (Trichogramma) | Das ganze Jahr in der Wohnung |
| Buchsbaumzünsler | Nematoden Steinernema carpocapsae | Nur an milden Tagen, sonst ab dem Frühjahr |
So wendest du Nematoden richtig an
Nematoden werden in einem pulverförmigen Trägermaterial geliefert, in dem die Tiere in einer Art Ruhezustand stecken. Bewahre sie bis zur Anwendung im Kühlschrank auf, aber niemals im Gefrierfach, und verwende sie möglichst bald nach dem Kauf.
Wässere die Fläche vor der Anwendung gründlich, denn Nematoden bewegen sich nur in feuchtem Boden. Rühre das Pulver dann nach Packungsanleitung in Wasser ein und verteile die Mischung mit einer Gießkanne. Rühre zwischendurch immer wieder um, weil die Nematoden sonst auf den Boden der Kanne sinken. Da Sonnenlicht ihnen schadet, bringst du sie am besten abends oder an einem bewölkten Tag aus.
Nach der Anwendung ist Geduld gefragt. Halte den Boden mindestens zwei Wochen lang gleichmäßig feucht, damit die Nematoden ihre Beute finden können. Im Herbst nimmt dir das Wetter diese Arbeit oft ab.
Fazit: Der Herbst ist kein Grund zum Aufhören
Im Herbst ist die Saison für Nützlinge noch nicht vorbei. Gegen Engerlinge des Gartenlaubkäfers, Dickmaulrüsslerlarven und Wiesenschnakenlarven kannst du jetzt sogar besonders gut vorgehen, solange der Boden warm genug ist. Im Haus arbeiten Nematoden und Schlupfwespen ohnehin das ganze Jahr über. Nur bei Schädlingen, die bereits Winterruhe halten, wie dem Buchsbaumzünsler, heißt es meistens: beobachten und im Frühjahr handeln. Mit einem Bodenthermometer und dem richtigen Timing schützt du deinen Garten ganz ohne Gift.
