Baumkronen senden während Gewittern ultraviolette Funken aus

Baumkronen senden während Gewittern ultraviolette Funken aus

Das Phänomen, dass Baumkronen während Gewittern elektrische oder optische Effekte zeigen, fasziniert Wissenschaft und Öffentlichkeit seit Langem. Besonders interessant sind Berichte darüber, dass Bäume bei starken elektrischen Feldern während eines Gewitters schwache Lichtemissionen erzeugen können. Dabei handelt es sich nicht um klassische Blitze, sondern um sogenannte Koronaentladungen – elektrische Entladungen in der Luft, die unter bestimmten Bedingungen sichtbar werden können.

Wie entstehen diese Effekte?

Während eines Gewitters baut sich zwischen Wolken und Erdoberfläche ein starkes elektrisches Feld auf. Bäume wirken dabei wie natürliche Blitzableiter, da ihre Spitzen – insbesondere die Baumkronen – das elektrische Feld konzentrieren können.

Wenn die elektrische Spannung in der Umgebung sehr hoch wird, kann die Luft um die Baumspitzen herum ionisieren. Dabei entstehen winzige Entladungen, die als bläuliches oder violettes Leuchten erscheinen können. Dieses Licht liegt teilweise im ultravioletten Spektrum, ist für das menschliche Auge aber meist nur schwach oder indirekt sichtbar.

Der Prozess ähnelt der sogenannten Koronaentladung, die auch an Hochspannungsleitungen beobachtet werden kann.

Sind es wirklich „ultraviolette Funken“?

Der Begriff „ultraviolette Funken“ ist wissenschaftlich nicht ganz korrekt, wird aber umgangssprachlich verwendet. Tatsächlich handelt es sich um:

  • elektrische Koronaentladungen
  • schwache Plasmaeffekte in der Luft
  • Lichtemission durch ionisierte Luftmoleküle

Ultraviolettes Licht selbst ist normalerweise nicht direkt sichtbar, kann aber durch Wechselwirkungen mit Luftpartikeln oder Staubstreuung indirekt wahrgenommen werden.

Warum sind Baumkronen besonders betroffen?

Baumkronen sind besonders anfällig für solche Effekte, weil sie:

  • die höchsten Punkte in ihrer Umgebung darstellen
  • Feuchtigkeit speichern, was die Leitfähigkeit erhöht
  • viele spitze Äste und Blätter besitzen, die elektrische Felder verstärken

Feuchte Rinde und Blätter können die elektrische Leitfähigkeit zusätzlich erhöhen und damit Entladungen begünstigen.

Bedeutung für Natur und Sicherheit

Diese elektrischen Entladungen sind in der Regel nicht gefährlich, zeigen aber, wie stark elektrische Kräfte in der Natur wirken können. Allerdings können Bäume bei Gewittern auch als natürliche Einschlagpunkte für Blitze dienen, weshalb Sicherheitsabstände zu einzelnen Bäumen während Gewittern empfohlen werden.

Forschung und wissenschaftliche Beobachtungen

Physiker und Atmosphärenforscher untersuchen solche Phänomene, um besser zu verstehen, wie sich elektrische Felder in der Atmosphäre verhalten. Besonders die Wechselwirkung zwischen Vegetation und atmosphärischer Elektrizität ist ein aktives Forschungsfeld.

Fazit

Das Leuchten von Baumkronen während Gewittern ist ein selten beobachtetes, aber physikalisch erklärbares Phänomen. Es entsteht durch starke elektrische Felder und Koronaentladungen in der Umgebung der Baumspitzen. Obwohl es spektakulär wirkt, ist es meist ein natürliches Nebenprodukt atmosphärischer Elektrizität.

Quellen

https://www.scientificamerican.com/article/why-trees-attract-lightning/

https://www.smithsonianmag.com/smart-news/treetops-emit-ultraviolet-sparkles-during-thunderstorms-researchers-just-filmed-it-in-nature-for-the-first-time-180988275/
https://www.nature.com/articles/s41598-019-50730-8
https://www.nasa.gov/mission_pages/soho/science/lightning.html
https://www.britannica.com/science/corona-discharge
https://www.bbc.com/future/article/20140918-the-physics-of-lightning-strikes
https://www.nationalgeographic.com/science/article/lightning-101