Buchsbaum schneiden

vom
Eine Beeteinfassung fachgerecht beschnitten von Matthias Schuh, Gärtner im Freilichtmuseum Kiekeberg
weiter im Programm ...

weiterempfehlen:

TEXT UND INFO ZUM FILM

Drehort:
Freilichtmuseum Kiekeberg am südlichen Rand von Hamburg
Länge:
8 Min.
Filmkatalog:Praxis
Moderator:
Marc Albano

Die wichtigsten Regeln zum Schnitt von Buchsbaum:

1. Schnitt in den Monaten ohne „r“

Also von Mai bis August etwa.

Ein späterer Schnitt, ab September, kann unter Umständen zu leichten Frostschäden in den obersten Blättern führen. Denn ein später Schnitt löst noch einen leichten Neuaustrieb aus, der dann bis zum Winter nicht aushärten würde und deshalb frostgefährdet ist.

Ein Schnitt im Frühjahr vor dem Mai ist wenig sinnvoll, weil der neue Jahresaustrieb im Mai beginnt und der Buchs also schnell wieder seine Form verlieren würde, dann abermals geschnitten werden müßte.

2. Bester Schnittermin: zweite Juni-Hälfte

Dann ist der Haupt-Jahresaustrieb der Monate Mai und Juni beendet. Diesen Austrieb schneidet man ab und bekommt in der Folge nur noch einen schwachen Zweit-Austrieb im Sommer. (Den kann man auch noch entfernen, wenn man Wert auf eine besonders akkurate Optik legt).

3. Zweiter, optionaler Schnittermin: Ende August / Anfang September

Soll der Buchs ganzjährig und auch im Winter sehr sauber geschnitten aussehen, dann entfernt man zum Ende des Sommers hin auch noch den zweiten, schwächeren Austrieb, der sich in der Folge des Juni-Schnitts gebildet hat.

Auch nach diesem, zweiten Schnitt würde sich noch ein leichter Nach-Austrieb bilden - das ist eben ein Reflex der Pflanze auf jeden Eingriff. Aber dieser Austrieb ist sehr gering und daher für die Optik durch das Winterhalbjahr hindurch kaum störend.

4. Am einfachsten: keine Terminsorgen!

Viele Gärtner schneiden Buchs, wann immer sie gerade etwas Zeit und eine Schere zur Hand haben. Wenn das in den Monaten mit „r“ der Fall ist - kein Problem. Mögliche, leichte Frostschäden tun der ganzen Pflanze nicht weh, stören allenfalls etwas die Optik.

Also, wer es gern unkompliziert und spontan mag - schneiden Sie zu, wann immer Sie wollen. Der Buchs nimmt’s nicht übel.

5. Angeraten: ein schattiger Schnitttag

Schneidet man ausgerechnet dann, wenn die pralle Sommersonne scheint, können sich die verbleibenden Blätter des Buchs bräunlich färben: sie verbrennen etwas.

Daher schneidet man besser bei Bewölkung. Oder man macht sich die Mühe, den Buchs am Schnittag mit einem Gartenschirm oder aufgespannten Tuch zu schattieren.

6. Bestes Werkzeug: die Heckenschere

Wenn sie sehr scharf ist! Es gibt nichts frustrierenderes, als ein Buchsbaumschnitt mit einer mäßig scharfen Schere.

Daher lohnt die Investition in eine gute Heckenschere (beste Option: siehe unser Film in Youtube zum Thema des Bonsaischnitts. Dort zeigen wir eine teure Schere des japanischen Herstellers ARS - die ist selbstschärfend!, kostet aber auch mindestens 80 Euro)

7. Kraftschonend: Elektro-Scheren

Das sind große Heckenscheren oder kleine Akku-Scheren (siehe unseren früheren Film zum Buchsbaum-Schnitt in Youtube). Die Akku-Scheren sind oft nicht sehr leistungsstark: also eher ein Spielzeug als ein echtes Gärtnerwerkzeug.

Der Einsatz einer elektrischen Heckenschere lohnt sich eigentlich nur bei größeren Längen von Buchshecken. Sie arbeiten schneller und leichter, aber auch lauter und zerstörerischer. Denn die Buchsbaumblätter werden hier zerrissen und zerfetzt, sodaß die verbliebenen Blattreste anschließend oft ein leicht bräunliches Gesamtbild produzieren.

Auch kann man sich mit einer großen Elektro-Schere deutlich schneller „verschneiden“ als mit einer Hand-Heckenschere. Also ist größte Vorsicht geboten. Man hat schnell einmal zu tief geschnitten und dann tritt das braune Astwerk hervor. Der Buchs treibt womöglich hier nie mehr aus!

Vorsichtiger lassen sich Buchskugeln und andere formierte Buchse auf jeden Fall mit der Hand-Heckenschere schneiden.

8. Mühsam: Hand-Scheren

Jeden Buchstrieb einzeln zu kappen, ist ein mühsames Geschäft. Wenn man nur sehr wenig Buchs zu schneiden hat, dann wähle man wenigstens eine Hand-Schere, die extra lange Klingen hat.

Das muß nicht die traditionelle Schaf-Schere sein. Es gibt auch Hand-Scheren speziell für Buchsbaum, die lange Klingen mit der herkömmlichen Scherenformen verbinden.

9. Goldene Schnittregel: Nach und nach hineinarbeiten!

Nicht sofort auf die gewünschte Endhöhe schneiden, sondern sich nach und nach in die Pflanze vorarbeiten.

Der erste Schnitt kappt die Masse des diesjährigen Neuaustriebs (hellgrünes Laub!). Danach wird man vorsichtiger und arbeitet sich millimeterweise tiefer. Das braune, blattlose Holz im Pflanzeninneren darf man auf keinen Fall erreichen. Es muß grünes Laub stehen bleiben. Nur aus diesem treibt die Pflanze wieder aus!

10. Hellgrünes Laub entfernen, dunkelgrünes Laub stehen lassen

Das ist die einfachste Orientierungshilfe. Das hellgrüne Laub ist der diesjährige Neuaustrieb. Denn kann man fast vollständig beseitigen. Das dunkelgrüne Laub darunter aber ist von letztem Jahr. Hier ist Vorsicht angesagt. Die dunkelgrüne Schicht ist dünn, gleich darunter kommt die braune No-Go-Zone!

11. Nie ins braune Holz schneiden

Bleiben nach dem Schnitt an den Buchsstielen nur braune Enden ohne grüne Blätter, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß der Buchs hier nicht mehr neu austreibt. Man erhält also Löcher.

Mit etwas Glück füllen benachbarte Zweige dann mit der Zeit die Löcher auf. Wenn der offene Bereich aber zu groß ist, hat man das Wuchsbild dauerhaft ruiniert.

Daher unbedingt vorsichtig und in kleinen Schritten arbeiten.

12. Wie ein Bildhauer arbeiten

Immer wieder ein paar Schritte von der Pflanze zurücktreten und das Gesamtbild ins Auge fassen. Nur dann erkennt man, ob die gewünschte Form und Höhe sich richtig abzeichnet.

Man braucht keine Schablonen! Eigentlich schneidet kein professioneller Gärtner mit Schnitthilfen (außer auf höchstem Niveau in Schaugärten).

Das einzig Wichtige ist, sich Zeit zu nehmen und den Schnitt in kleinen Stufen vorzunehmen. Und eben - immer wieder auf Abstand treten!

13. Gewöhnlicher Buchs versus Einfassungs-Buchs

Was man in allen Läden zu kaufen bekommt, ist normalerweise der Gewöhnliche bzw. Echte Buchsbaum (Buxus sempervirens arborescens). Aus ihm macht man vor allem Kugeln und andere Formschnitte, aber auch kräftigere Schnitthecken (z.B. 50 cm hoch)

Für die traditionellen, niedrigen Beeteinfassungen (ca. 20 - 40cm) empfiehlt sich eher der sogenannte Einfassungs-Buchs (Buxus sempervirens ‘Suffruticosa’). Er wächst deutlich schwächer und hat auch kleineres Laub.

Den Einfassungs-Buchs bekommt man nur auf Bestellung in Baumschulen und Gärtnereien. Denn er läßt sich durch den schwächeren Wuchs eben nicht so leicht produzieren und für kleines Geld verkaufen.

Daher, wer Buchs speziell für Einfassung-Hecken kaufen will, der sollte nach der Sorte ‘Suffruticosa’ fragen. Damit hat man dann in Zukunft viel weniger Mühe mit dem jährlichen Schnitt.

14. Buchs muß wachsen!

Es ist nicht möglich, einen Buchs jedes Jahr auf genau dieselbe Höhe und Breite wieder zurückzustutzen!

(Ausnahme: der sogenannte Einfassungs-Buchs, s.o. Bei diesem kann man praktisch jedes Jahr auf das gleiche Niveau zurückschneiden).

Ein Buchsbaum lebt und muß sich ausdehnen. Sowohl oberirdisch im Laub, als auch unterirdisch im Wurzelwerk. Darauf weist Herr Schuh im Film hin.

Ein kontinuierlicher Schnitt kann den Zuwachs auf wenige Millimeter pro Jahr reduzieren, aber diese eben lassen sich schnittechnisch nicht vermeiden.

Deshalb wird ein Buchs unweigerlich mit den Jahres immer etwas größer!

Wer den Buchs im Kübel hält, muß auch wissen, daß er nicht ewig sich mit der vorhandenen Erde zufrieden gibt. Auch die Wurzeln müssen sich ausdehnen. Also muß man zumindestens den Buchs im Kübel regelmäßig düngen - und irgendwann auch um- bzw. auspflanzen. Andernfalls wird er eingehen.

15. Alte Buchse nicht verjüngen

Herr Schuh weist darauf hin, daß die Ausfallquote hoch ist, wenn man alte, zu groß gewachsene Buchse wieder radikal zurückschneidet.

Daher ist es sicher sinnvoller, übergroße Buchskugeln und -hecken komplett zu entfernen und dann neue Pflanzen zu setzen.

schöner Beitrag und noch

schöner Beitrag und noch schöneres Video! Der Buchsbaumschnitt ist eine Klasse für sich.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.