Obstbaumschnitt Praxiswissen - Teil 1

vom 08. März 2012
Den Schnitt eines ausgewachsenen Apfelbaums erläutert Baumschulprofi Jörn Andresen
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TEXT UND INFO ZUM FILM

Drehort:
Baumschule Andresen in Bargteheide, nordöstlich von Hamburg
Länge:
8 Min.
Filmkatalog:Praxis
Moderator:
Marc Albano

Obstbaumschnitt gehört zu den schönsten Aufgaben im Garten! Man lenkt, leitet und gestaltet seinen Baum - und der dankt es einem mit großen Früchten und langem Leben.

Wann schneiden?

Praktisch den ganzen Winter hindurch, vorausgesetzt es sind frostfreie oder frostmilde Perioden. Man sollte nicht bei unter - 5°C schneiden, sonst kann es an den Schnittstellen Schäden geben.

Die Schnittzeit beginnt also ab November, wenn sämtliches Laub abgefallen ist. Dann wird das Astgerüst auch gut mit den Augen erkennbar. Das ist wichtig, weil man beim Schnitt jederzeit den gesamten Kronenaufbau im Blick haben sollte.

Bis zum Dezember sind die Winter bei uns meist noch mild, so daß man dann gut schneiden kann. Der Januar ist oft zu frostig, um tätig zu werden. Danach aber kommt die beliebteste und verbreitetste Schnittzeit im Februar und März, also gerade zum Ausklang des Winters hin.

Zu dieser Zeit wird der Schnitt zu einem echten Vergnügen, weil man den Aufbruch ins neue Gartenjahr spürt und den Schnitt beim Singen der ersten Drosseln ausführt. Noch ist der Garten weitgehend im Winterschlaf, so daß man sich seinem Baum mit aller gärtnerischen Ruhe und Entspannung widmen kann.

Und das sollte man auch! Baumschnitt hat fast meditativen Charakter. Ganz entspannt und doch konzentriert läßt man sich in ein Zwiegespräch mit seinem Baum ein. Man muß mit dem Baum fühlen, seine Reaktionen kennen und vorausahnen, seine Fehler beseitigen, ihm neue Chancen anbieten.


Schritt 1: Gutes Werkzeug

a) Schere

Eine kräftige Rosenschere muß sein. Die teuersten und bei Profis beliebtesten sind von der Marke Felco aus der Schweiz. Aber wir haben auch mit Scheren zum Beispiel von Gardena gute Erfahrung gemacht.

Frustrierend wird es, wenn man die jetzt häufig angebotenen billigen Scheren wählt. Denn im Baumschnitt muß man oft sehr kräftig zudrücken, und wir haben mehrfach erlebt, daß dann die Scherengriffe einfach brechen. Das macht keinen Spaß.

Als Ergänzung sehr praktisch ist eine Scherentasche, die man sich seitlich am Gürtel befestigt. Wenn man oben im Baum steht und zur Säge wechseln möchte, ist die Schere schnell in diese Tasche gesteckt und dort jederzeit wieder greifbar.

b) Säge I

Es gibt 3 Arten und Größen von Sägen, die im Baum zum Einsatz kommen können. Die wichtigste ist die im mittleren Format, z.B. als Bügelsäge mit verstellbarem Sägeblatt. Oder als (japanische) Zugsäge, wie im Film gezeigt. Beide sind im Blatt ca. 35 - 40 cm lang.

Ein schmales und flexibles Blatt ist im Baum sehr wichtig, weil man die Säge hier ständig dreht, wendet und in unterschiedlichen Schnittwinkeln einsetzt. Bei den meisten Schnitten werden nämlich Äste direkt am Stammansatz entfernt. Damit dabei keine Stummel bleiben, muß man das Sägeblatt ganz nah an den Stamm und genau in den richtigen Winkel drehen, tangential zum Stamm oder Ast.

Das geht in klassischer Weise optimal mit einem verstellbaren Sägeblatt. Vor jedem Schnitt löst man die Blattspannung der Säge, dreht das Blatt in den gewünschten Winkel und zieht die Spannung wieder an. Darin bekommt man schnell Routine.

Andere Gärtner bevorzugen die modernen Hand- oder Zugsägen mit ihrem starren, aber dafür recht schmalen Sägeblatt. Hier dreht man die ganze Säge in den benötigten Winkel. Und durch das schmale Blatt kommt man meistens auch recht gut zwischen engstehende Äste eines Baumes hinein.

c) Säge II

Zwei weitere Sägearten kann man optional einsetzen: Ein kleine Klappsäge von 15 - 20 cm Blattlänge läßt sich in der Hosentasche bereithalten, wenn man einmal oben im Baum wirklich in eine sehr enge Astsituation hinein muß und die übliche Säge dafür zu groß scheint.

Für sehr starke Äste wiederum ist eine große Bügelsäge (50 - 60 cm Blatt) richtig. Diese ist unverzichtbar, wenn man sich einen alten, ungepflegten Baum vornimmt und dabei auch große Korrekturschnitte der Krone vornehmen muß.

d) Wundverschlußmittel

Für die großen Schnitte (alte Gärtnerrregel: Schnittfläche größer als ein 5 Mark Stück, also mehr als 3 cm) kann man ein Wundverschlußmittel bereithalten. Es wird auch als künstliche Rinde angeboten, eine gängige Marke heißt Lac Balsam.

Man verstreicht es zum Beispiel mit einem Heizkörperpinsel. Dabei empfiehlt Herr Andresen, nur die Ränder der Schnittfläche zu verstreichen, denn nur hier liegen die empfindlichen Partien des Astes. Der mittlere Bereich bleibt offen, damit er gut trocknen kann.

Der Einsatz des Wundverschlußmittels ist nicht unverzichtbar, und es gibt unter Professionellen unterschiedliche Meinungen dazu. Ein gesunder, kräftiger Baum ist in der Regel auch in der Lage, Schnittwunden selber zu verschließen und damit das Eindringen von Schädlingen abzuwehren.

e) Leiter, Kleidung

Gute Leitern sind extrem wichtig, am besten solche, die unten zur besseren Standsicherheit noch einen waagerechten Balken haben. Denn der winterliche Erdboden ist oft feucht und weich, so daß Leitern gerne standschwach werden.

Bei klappbaren und aus Teilen zusammengesetzten Leitern sollte man sich zur Gewohnheit machen, vor jedem Aufstieg einen kurzen, prüfenden Blick auf die Arretierung zu werfen.

Die Beschaffenheit der Schuhsohlen ist auf der Leiter und im Baum nicht unwesentlich. Harte Sohlen, wie etwa bei Stiefeln oder Wanderschuhen, geben schlechten Halt. Je weicher die Sohle, desto sicherer steht man auf der Leiter. Vor allem, wenn die Sprossen und auch die Stämme im Winter feucht sind.

Als Handschuhe wählt man solche mit einer Gummierung. Wir haben festgestellt, daß die kräftigsten und besten dieser Art nicht im Gartencenter, sondern im professionellen Baustoffhandel zu finden sind, gemacht für Pflasterer.

Und schließlich achtet man auch noch auf die richtige Kleidung für den Baumschnitt: am besten solche, an der nichts hängt und flattert.


Schritt 2: Die Musterung

Zunächst wird man aus einigen Schritten Entfernung den gesamten Baum ins Auge fassen und eine erste Diagnose anstellen:

a) Wie verdichtet ist die Krone, wieviel Holz muß raus?

Eine dichte Krone mit viel altem Fruchtholz ist in vieler Hinsicht schlecht für den Baum. Die Äste nehmen sich gegenseitig das Licht weg, die Krone ist schwer und bruchgefährdet, der ganze Baum könnte vorzeitig umstürzen.

Was ist dicht? Eine der schönsten Gärtnerregeln sagt, daß man durch eine gut gepflegte Krone einen Hut werfen kann. Dann sind die Abstände zwischen den Ästen und Zweigen weit genug. Etwas großzügiger formuliert, kann es auch eine Mütze sein, die noch irgendwie in Flug hindurchpassen sollte.

Wenn das aber völlig undenkbar scheint, weil das Astgewirr viel zu dicht ist, dann ist ein kräftiger Schnitt angesagt.

b) Wie ausgewogen ist der Baum und die Krone gewachsen?

Ein gepflegter Baum sollte eine gewisse Harmonie im Wuchsbild zeigen.

Das fängt beim Stamm an: ist er gerade gewachsen oder steht er womöglich etwas schief? Bei Schiefstand sollte man das Gewicht in der Krone durch den Schnitt korrigieren, damit der Baum nicht allmählich noch schiefer wächst.

Ist die Krone nach allen Seiten gleichmäßig und gleichgewichtig verteilt? Hier blickt man vor allem auf die starken Grundäste des Baumes. Eine Korrektur von deren Verteilung erreicht man auf zwei Weisen: entweder durch einen kräftigen Schnitt in das bestehende Grundgerüst des Baums hinein oder durch einen langfristigen, geplanten "Aufbau" neuer Grundäste.

Neben der seitlichen Verteilung der Krone beachtet man auch die vertikale Kronenform. Deren Schwergewicht sollte so weit unten wie möglich sein. Eine optimale Kronenform ist pyramidenartig aufgebaut: unten sehr breit und weit, oben ganz eng und schmal. Denn dann bekommen alle Äste und Zweige das maximale Sonnenlicht von oben ab.

Ist die Krone im Innenbereich einigermaßen gleichmäßig ausgefüllt? Idealerweise haben alle starken Grundäste in der Krone etwa den gleichen Abstand zueinander. Zwei Grundäste sollte nie dicht beieinander bzw. parallel wachsen, denn dann behindern sie sich gegenseitig. Insgesamt sollte es in der Krone möglichst wenig Verdichtungen und genauso wenig Leer- oder Hohlbereiche geben.

c) Wann und wie wurde zuletzt geschnitten?

Einen lange ungeschnittenen Baum erkennt man sofort an der unharmonischen und verdichteten Krone. Meist ist die Kronenform nicht mehr pyramidenförmig, sondern hat ihr Schwergewicht nach oben und außen verlagert. Im Inneren der Krone ist das Astwerk alt und abgetragen, oder auch schon abgestorben.

Hier wird ein starker Schnitt nötig sein. Aber Achtung! Der Schnitt ist immer auch eine Verpflichtung für die nächsten Jahre. Denn jeder starke Schnitt macht in den Folgejahren weitere Korrekturschnitte nötig. Vernachlässigt man diese, dann verwildert die Krone unter Umständen noch ärger, als sie es vor dem ersten Schnitt gewesen ist.

Die Reaktion des Baumes auf einen starken Schnitt erfolgt nämlich über die Bildung von sogenannten "Wasserreisern"- dünne, unverzweigte, bis zu meterhohe Triebe, die in großer Zahl erscheinen und, sich selbst überlassen, die Krone in ein Dickicht verwandeln können.

Wenn man solche Wasserreiser mit dichter, besenförmiger Verteilung in der Krone vorfindet, dann weiß man, daß der Baum im letzten Jahr oder den Vorjahren kräftig zurückgeschnitten wurde. Hier ist die vordringlichste Aufgabe, den allergrößten Teil dieser Wasserreiser wieder zu beseitigen. Sie sind minderwertiges Zweigmaterial, entstanden aus einer Notreaktion des Baumes auf den Verlust von viel Holzmasse bei einem kräftigen Schnitt.

Die Wasserreiser werden über mehrere Jahre immer wieder neu erscheinen, wenn auch in abnehmender Menge. Man sollte sie regelmäßig beseitigen. Allmählich stellt sich der Baum dann wieder auf ein internes Gleichgewicht ein und produziert neue Äste nur noch in der Menge und Qualität, wie er sie wirklich für die Fruchtproduktion braucht.

d) Gibt es kranke Äste?

Immer wieder findet man in einer älteren Krone Äste, die eine ungute Historie haben. Manche wurden in der Vergangenheit schlecht geschnitten, so daß sie an der Schnittstelle zu faulen begonnen haben. An anderen findet man Baumkrebs - geschwürartige, ungesunde Stellen. Solche ungesunden Äste sollte man vorbeugend vollständig entfernen, selbst wenn dadurch der Kronenaufbau (vorübergehend) empfindlich gestört wird.


Schritt 3: Der Eintritt in die Krone

Bei der Musterung des Baumes hat man die Haupt-Äste bestimmt, die ggf. herauszuschneiden oder zu entlasten sind. Mit diesen beginnt man den Schnitt. Man arbeitet sich also am besten vom Groben ins Feine, vom harten Schnitt in den Feinschnitt.

Zu den ersten Aufgaben kann auch die Beseitigung von Wasserreisern gehören. Denn sie stehen zuweilen so dicht, daß erst nach ihrer Beseitigung die Krone sich richtig überblicken läßt.

a) Schnittechnik: Äste komplett entfernen

Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Ast zu schneiden. Entweder man entfernt ihn vollständig direkt am Ansatz oder man kürzt bzw. entlastet ihn nur, indem man ein Stück seiner Länge abschneidet.

Grundsätzlich gilt, daß ein vollständiges Entfernen des Astes immer die bevorzugte Lösung sein sollte. Eine Krone soll sich aus wenigen, aber gut verteilten Haupt- und Nebenästen zusammensetzen. Wenn mehrere Äste in einem Kronenbereich miteinander konkurrieren, dann gibt man nicht jedem einem Chance, indem man alle etwas einkürzt, sondern man entscheidet sich für einen Ast und entfernt alle anderen vollständig.

Das Abwägen und Entscheiden für einen Ast ist eine der wichtigsten Kopfarbeiten im Baum. Sehr oft wird man zwei oder mehr Äste vorfinden, die ganz die gleiche Lebensberechtigung in der Krone haben - sie sind gut gewachsen, in die richtige Richtung, im richtigen Winkel, gesund und aussichtsreich. Aber sie stehen eben nah nebeneinander. Dann wird man sich entscheiden müssen. Einer nur bleibt stehen, alle anderen werden hart und herzlos bis zum Ansatz herausgeschnitten.

Bis zum Ansatz schneiden heißt, daß nicht der geringste Stummel zurückbleibt! Das ist sehr wichtig, denn jeder Reststummel wird faulen und ein Einfallstor für Krankheiten bilden. Von einem faulenden Reststummel kann sich die Fäulnis in den gesunden Ast hinein fortsetzen, man wird dann unter Umständen den ganzen Ast aufgeben müssen.

Des weiteren laden Reststummel den Baum ein, an dieser Stelle besonders viele Wasserreiser auszubilden. Die Wasserreiser sind eine Folgeerscheinung an praktisch jeder Schnittwunde des Baumes. Aber sie erscheinen umso lieber und umso dichter an allen Erinnerungen an den früheren Ast. Der Reststummel voller Wasserreiser muß dann später doch wieder abgeschnitten werden - eine erneute Wundbildung.

Deswegen lohnt es unbedingt, sich beim Ansetzen des Schnitts die Mühe zu machen, diesen genau im richtigen Winkel und tangential zum Hauptast anzusetzen. Oft muß man sich dabei auf der Leiter gehörig verbiegen oder die Leiter womöglich sogar extra umsetzen. Aber jede Mühe sollte in Kauf genommen werden (auch wenn man nach den 10ten Schnitt gerne zum Pfusch neigt und die Säge einfach mal schnell so ansetzt, wie es gerade von der Leiter aus am bequemsten ist).

b) Schnittechnik: Äste einkürzen

Hin und wieder macht es Sinn, einen Ast nur einzukürzen. Bei starken, langen Ästen im unteren Kronenbereich macht man dieses oft, um das Gewicht zu entlasten. (Immer voraus denken: um wieviel schwerer und niederhängender noch wird der Ast im Herbst mit Fruchtbehang!). Bei Ästen im mittleren und oberen Kronenbereich sorgt man mittels Einkürzen für den pyramidenförmigen Gesamtaufbau des Baums.

Beim Einkürzen setzt man den Schnitt immer nur dort an, wo ein stärkerer Unterast aus dem Hauptast hervorkommt. Schneidet man direkt hinter diesem, dann übernimmt der Unterast in der Folge eine "Zugfunktion". Das heißt, er zieht die Baumsäfte an, die ansonsten an der Schnittstelle blockiert wären.

Das ist wichtig, da mit einem solchen "Zug-Ast" zunächst die Schnittwunde deutlich besser verheilen kann und dann der Ast auch dauerhaft bis zu seinem äußeren Ende aktiv bleibt. Ohne Zug-Ast würde der geschnittene Ast u.U. langsam vom Ende her vertrocknen oder verfaulen.

An der Wunde sorgt der aktive Saftfluß in den Zug-Ast für einen schnellen Wundverschluß. Das ist wie beim Menschen, wo die Wunden immer dort gut und schnell heilen, wo die betroffenen Gliedmaßen gut durchblutet sind. Im Apfelbaum bildet sich an der gut "durchbluteten" Schnittstelle des Astes leicht neues Gewebe, das von außen her die Wunde überwallt.

Als Zug-Ast sucht man sich immer einen möglichst starken Unterast aus. Alternativ können auch mehrere kleinere Unteräste gemeinsam die Zugfunktion übernehmen, sofern sie günstig auf gleicher Höhe am Hauptast ansetzen.

Der Schnitt sollte dann so nah wie möglich hinter dem Zug-Ast angesetzt werden, jedoch so, daß der Zug-Ast in keiner Weise durch den Schnitt beeinträchtigt wird. Auch hier gilt: es darf kein Stummel bleiben. Aber es darf ebenso wenig die Basis des Zug-Astes angeschnitten werden.

Bei diesen Schnitten ist es daher immer besonders wichtig, das Sägeblatt in exakt den richtigen Winkel zu bringen: also möglichst rechtwinklig zum Haupt-Ast und möglichst nah an den Zug-Ast heran. (Hier bewährt sich besonders die Bügelsage mit verstellbarem Blatt).

c) Schnittechnik: Starke Äste schneiden

Bei allen stärkeren Ästen ist es wichtig, daß das Holz und die Rinde beim Schnitt nicht aufreißen. Amateure sägen gerne einfach von oben in den Ast hinein, bis er abbricht. Beim Brechen aber wird in den meisten Fällen noch ein Stück vom gesunden Ast unterseitig mit abreißen. Dieser Rißbereich vergrößert dann die Wunde beträchtlich und wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr verheilen.

Das muß auf jeden Fall vermieden werden. Deshalb ist es Pflicht, bei allen schwereren Ästen zunächst deren Gewicht zu entlasten, indem man ein Stück weiter außen den Ast absägt. Beim Brechen kann da ruhig etwas Holz mit abgerissen werden. Anschließend setzt man die Säge erneut an und schneidet an der endgültigen Stelle.

Das ist zwar etwas mühsam, weil man zwei Mal sägen muß, aber man erreicht so eine saubere und kleinstmögliche Wunde.

Bei diesem Verfahren besteht das Restrisiko, daß beim ersten Schnitt der gesunde Ast viel weiter einreißt, als man das geplant hat. Er kann so weit einreißen, daß er auch die vorgesehene, endgültige Schnittstelle verdirbt.

Deshalb empfehlen Profis eine andere Methode, bei der man zunächst den Ast von unten ansägt - so weit, wie es möglich ist. (Meistens ist das eine recht mühsame Sache, auch weil irgendwann die Säge im Ast festklemmt). Dann schneidet man ein Stück weiter außen von oben hinein. So wird der Ast schließlich brechen, ohne daß er unkontrolliert einreißen kann. Wenn das Gewicht dann beseitigt ist, setzt man neu zum endgültigen Schnitt an der gewünschten Stelle an.

d) Schnittechnik: Kleinere Äste und Wasserreiser

Bei kleineren Ästen ist die Gefahr des Ausreißens nicht so groß. Meistens reißen sie kaum, weil das Gewicht auf ihnen nicht so groß ist und die Säge oder Schere sie schneller trennt als sie reißen können. Auch ist bei ihnen ein möglicher Riß nicht so tragisch, weil ihre Bedeutung für das Kronengerüst nachrangig ist.

Dennoch achtet man auch hier auf die gleichen Prinzipien: nur an einem Zug-Ast schneiden bzw. bei vollständigem Entfernen keine Stummel lassen.

Man kann das übrigens auch gut im Film sehen. Der Gärtnermeister setzt praktisch intuitiv die Säge und Schere nur dort an, wo ein Zug-Ast sich anbietet. Oder aber er nimmt den Ast mit Stiel und Stumpf ganz ab.

Die Wasserreiser lassen sich mit der Schere schneiden - natürlich direkt am Ast und ohne Reststummel. Jedoch stehen sie an einzelnen Stellen zuweilen so dicht, daß es lohnender ist, die Säge anzusetzen und den ganzen Pulk von Wasserreisern mit einem Schnitt abzunehmen.

Wasserreiser kann man übrigens alternativ auch im Sommer entfernen. Dann ist ihr Holz noch besonders weich, und sie lassen sich einfach mit der Hand vom Ast abreißen. Das ist besonders praktisch, weil es erstens schnell und leicht geht und zweitens die Reiser hier gleich mit ihrer Basis herausgerissen werden. Dann nämlich treiben hier verläßlich keine neuen Wasserreiser mehr aus.

Grundsätzlich entfernt man jedes Jahr alle Wasserreiser. Denn sie sind schon von der Anlage her minderwertiges Astmaterial - in aller Eile hervorgedrückt, weich und kraftlos. Jedoch sind Ausnahmen denkbar. Wenn man in der Krone einen neuen Hauptast langfristig aufbauen will, dann kann man dazu auch einen Wasserreiser auswählen. Dieser sollte stark sein und in einem guten Winkel (siehe unten) am Hauptast ansetzen. Man kürzt ihn dann ein gutes Stück ein, sodaß er sich in der Folge verzweigt und allmählich zu einem kräftigen Ast aufbaut.


Die Sprache des Baumes

Den Schnitt sollte man nie als eine einmalige Aktion verstehen, sondern immer als Prozeß, der sich über Jahre im Wechselspiel mit dem Baum und dessen Mechanismen entwickelt. Dazu gilt es, die "Sprache" des Baumes zu verstehen.

Wenn man so will, ist der Baum eine Maschine. Die meisten seiner "Reaktionen" sind vorhersehbar und vorherplanbar. Dieses Wissen setzt man bei der Strategie des Schnitts mit ein.

a) Rotation des Fruchtholzes

Wie alles in der Natur hat auch das Holz des Obstbaumes seine Lebenszyklen. Wenn die Äste jung und neu sind, tragen sie noch keine Früchte, sondern sind ganz mit Wachstum und Stärkenaufbau beschäftigt. Die Wuchsrichtung ist aufwärts, die Rinde ist glatt und hell, die Verzweigung noch gering.

Dann, nach dem zweiten Jahr, beginnt der Lebensabschnitt der Fruchtproduktion. Die Verzweigung des Astes nimmt immer mehr zu, die Wuchsrichtung wird waagerechter, die Rinde dunkler und rissiger.

Zwei bis drei Jahre später senkt sich der Astes allmählich abwärts, die Verzweigung ist schon dicht und schwer, die Rinde dunkel und alt. Der Fruchtbehang nimmt allmählich ab, die Früchte werden kleiner. Sich selbst überlassen, würden die Äste irgendwann absterben und herabfallen

Dieser Lebenszyklus der Äste erneuert und wiederholt sich ständig im Baum, denn das ist sein genetisches Programm. Er muß jedes Jahr neues Holz produzieren - um das alte und verbrauchte zu ersetzen. Man spricht von der Rotation des Fruchtholzes.

Das neue Holz erscheint dabei in der Regel schneller als das alte vertrocknet und abfällt. Deshalb dehnt sich die Krone eines ungeschnittenen Apfelbaums immer mehr in die Höhe und Breite, während das Kroneninnere noch gefüllt bleibt mit dichtem, abgetragenen Fruchtholz. Der Baum wird immer schwerer, die Krone in der Ausdehnung oft ungleichgewichtig und kopflastig. Allmählich wird der Baum standschwach.

Deshalb greift der Schnitt mit zwei Zielen ein: zum einen beschleunigt man die Rotation des Fruchtholzes, indem man die Äste im letzten Lebensabschnitt laufend beseitigt. Sie sind für den Baumbesitzer von nachlassendem Wert, weil ihre Fruchtproduktion abnimmt und sie unnötig Kräfte des Baumes binden.

Zum anderen schafft man durch diese Beseitigung von Altholz Luft und Platz im Baum. Dadurch wird er von Gewicht entlastet, und er kann seine Neuproduktion von Fruchtholz auch im Inneren der Krone betreiben. Damit dehnt sich die Krone weniger stark nach außen und oben, der Baum bleibt kompakter, standfester und langlebiger.

Konkret heißt dieses für den Schnitt: Man entfernt überall in der Krone gezielt die Äste, die sich im letzten Lebensabschnitt befinden. Man erkennt sie an ihrer niederhängenden Form, der dichten Verzweigung und der alten Rinde.

Dagegen achtet man darauf, möglichst viel vom Holz im mittleren Lebensabschnitt zu erhalten. Denn das ist das wertvolle Fruchtholz. Und nicht minder wichtig ist auch das neu hinzugekommene Holz, das Fruchtholz der kommenden Jahre.

b) Saftfluß und Wachstum

Der Baum hat etwas von einer Maschine. Sein Wurzelsystem beginnt etwa ab März ständig "Säfte" nach oben zu pumpen, also Flüssigkeit und Nahrung, die oberirdisch zum Aufbau von neuem Holz, Blättern, Blüten und Früchten dienen.

Deshalb sollte man den Baumschnitt auch spätestens bis Ende März beendet haben, da dann die Pumpe angesprungen ist, und frische Schnittwunden zu einem "Bluten" führen würden.

Die Saftpumpe aus den Wurzeln arbeitet permanent und ganz unabhängig davon, was sich oberirdisch im Baum tut. Wenn dieser etwa durch einen kräftigen Rückschnitt unverhofft viel Holz verloren hat, dann pumpt es doch unverändert stark von unten, so als wäre oben noch alles vorhanden.

Diesen mächtigen Saftdruck muß der Baum nun schnell irgendwo loswerden. Als Notreaktion treibt er deshalb überall dort, wo ihm Zweige und Äste genommen wurden, Wasserreiser aus dem Holz. Sie sind dünn, weich und als Fruchtholz minderwertig bis unbrauchbar. Zum Teil treiben sie auch in absurden Positionen und Formen aus den Ästen, zum Beispiel nach unten gerichtet, und dann mit 180 Grad Drehung nach oben weiter wachsend.

Deshalb schneidet der Gärtner diese Wassertriebe gleich wieder vollständig weg. War der vorangegangene Rückschnitt sehr kräftig, dann bleibt das Ungleichgewicht zwischen Wurzel und Holz auch im folgenden Jahr noch zu groß. Wieder wird der Baum Wasserreiser produzieren, wenn auch weniger als im Vorjahr. Und wieder muß der Gärtner die Reiser entfernen.

So kann das über mehrere Jahre gehen, sollte der erste Rückschnitt sehr kräftig ausgefallen sein. Nur allmählich pendelt sich wieder ein Gleichgewicht ein und das neue Holz wird nicht mehr nur in Form von Wasserreisern ausgebildet, sondern als qualitativ hochwertiges Astmaterial.

Das kontinuierliche Herausschneiden der Wasserreiser ist dabei extrem wichtig, weil ansonsten der Baum sofort viel zu dicht wachsen würde und die Fruchtproduktion zum erliegen käme. Deshalb sollte jeder, der zu einem kräftigen Schnitt eines Obstbaums ansetzt, sich dieser fortlaufenden Verpflichtung  für die nächsten Jahre bewußt sein.

Am besten für den Baum und für eine gleichbleibende, maximale Fruchtproduktion ist daher ein regelmäßiger, leichter Rückschnitt. Diesen kann der Baum gut verkraften, ohne in Wasserreiser und damit verlorene Energie ausweichen zu müssen. Deshalb sollte man am besten jährlich zur Säge greifen.

c) die Kunst des Kronenaufbaus

Den Kronenaufbau sollte man nicht dem Baum allein anvertrauen. Denn er macht es zwar willig, aber oft nicht richtig.

Das beginnt zuerst beim Ansatz bzw. Austrieb eines neuen Astes. Hier ist es wichtig, daß dieser im optimalen Winkel zum Stamm bzw. zum übergeordneten Ast ansetzt. Optimal ist immer eine schräg nach oben gerichtete Form. Diese Äste können später viel Gewicht aushalten, auch bei üppigem Fruchtbehang.

Eine senkrechte oder steil nach oben gerichtete Form kann auch akzeptiert werden. Solche Äste werden sich mit der Zeit und mit zunehmender Verzweigung sowieso noch seitlich neigen. Man kann die gewünschte Neigung auch unterstützen, indem man die aufkommende Verzweigung und deren Gewicht über den Schnitt steuert.

Schlecht sind dagegen Äste mit waagerechtem Ansatz. Diese neigen dazu, mit schwerem Fruchtbehang irgendwann abzubrechen. Deshalb sollten im Grundgerüst einer Krone grundsätzlich keine waagerecht angesetzten Hauptäste geduldet werden.

Und schließlich wird der Baum auch noch hin und wieder Äste mit abwärts gerichteter Neigung ansetzen. Diese sind sofort und prinzipiell zu beseitigen. Es gilt der Grundsatz in der Krone, daß alles was niederwärts ausgerichtet ist, ob jung oder alt, ganz beseitigt wird. Allenfalls kleineres Fruchtholz im Außenbereich der Krone kann auch mit Abwärtsneigung geduldet werden.

Nach dem Ansatz der Äste blickt auf ihre Ausrichtung. Es ist eine sehr einfache und prinzipielle Regel, daß man alle Äste, die ins Innere der Krone hinein ausgerichtet sind, also zum Stamm hin, sofort herausschneidet. Sie würden die Krone nur verdichten und beschatten. Dann würde im Inneren der Krone kein neues Holz mehr ansetzen, der Baum könnte nur noch weiter in die Höhe wachsen und würde schließlich kopflastig.

Die einzige gewünschte Richtung aller Äste im Baum ist nach außen. Die Krone soll möglichst breit und pyramidenförmig werden. Deshalb fördert man vor allem diejenigen Äste, die im unteren Kronenteil eine Wuchsrichtung nach außen haben. Je länger und weiter sie sich ausbreiten, desto besser. (Erst wenn nach Jahren ihr Gewicht zu groß zu werden droht und sie sich bei Fruchtbehang zu sehr nach unten neigen, wird man sie stückweise wieder entlasten).

d) Gute Äste, schlechte Äste

Am besten ist es natürlich, wenn einem Baum ganz von Anfang an eine "gute" Krone anerzogen wird: die Hauptäste rundherum in gleichmäßiger Verteilung, die Gesamtform pyramidenförmig sich nach oben verjüngend.

Aber oft hat man es mit Bäumen zu tun, die entweder in der Jugend nicht richtig aufgebaut wurden oder in ihrer weiteren Entwicklung nicht regelmäßig geschnitten und gelenkt wurden. In solchen Bäumen wird man Hauptäste mit guter Ausrichtung und solche mit schlechter Ausrichtung vorfinden.

Ein radikaler Gärtner könnte hier drastisch vorgehen und alle "schlechten" Äste in einem Schritt herausschneiden. Das ist aber mit Nachteilen verbunden. Zunächst verliert man viel Fruchtholz und verringert die Ernte der nächsten Jahre. Dann wird man ein explosionsartiges Wachstum von Wasserreisern provozieren, die mühsam über Jahre wieder zurückgestutzt werden müssen. Unter Umständen bringt man auch die ganze Krone aus dem Gleichgewicht. Und schließlich schafft man noch große Wunden, die für den Baum immer ein langfristiges Risiko darstellen.

Ein radikaler Schnitt ist deshalb möglich, aber nicht allzu empfehlenswert. Sinnvoll ist er zum Beispiel dann, wenn man einen schon älteren, verwachsenen Baum vor sich hat und diesem mit einer Roßkur einen ganz neuen Lebensschub verpassen will. Man beobachtet anschließend, ob der alte Baum noch mal gut auf den harten Schnitt anspricht und kräftig neu austreibt. Wenn nicht, wird man ihn ganz aufgeben.

In anderen Fällen kann es ratsamer sein, statt eines einzigen radikalen Schnittes lieber Korrekturmaßnahmen über mehrere Jahre vorzunehmen. Dann gilt es aber, mit "schlechten" Ästen eine Zeitlang zu leben und neue, "gute" Äste gezielt aufzubauen. Die neuen Äste sollen dann die schlechten irgendwann ersetzen.

Dieser Aufbau ist eine interessante Aufgabe. Denn man wird feststellen, daß der Baum ganz vorhersehbar genau die Reaktion produziert, die man von ihm erwartet.

Das beginnt an der Stelle, wo man einen Schnitt ansetzt. Hier wird der Baum mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Schnitt neue, junge Äste folgen lassen. Aus diesen kann man sich dann den- oder diejenige auswählen, die man erhalten und fördern will.

Das kann hin und wieder auch mal ein Wasserreiser sein. Wenn dieser stark im Wuchs und im richtigen Winkel am Hauptast angesetzt ist, dann kann man aus ihm einen künftigen, gerüstbildenden Ast kultivieren. Meist wird man den Reiser dazu zunächst bis auf 20 bis 40 cm kürzen, damit er sich in der Folge gut verzweigt.

Dabei hilft es immer, sich etwas in den neuen Ast hineinzufühlen. Bekommt er an dieser Stelle der Krone auch genug Licht von oben? Oder von der Seite? Denn der Ast wird sich nur bei ausreichender Lichtzufuhr gut entwickeln, und er wird sich genau in die Richtung entwickeln, aus der er Licht erhält.

So baut man neue Äste gezielt auf und korrigiert Fehlentwicklungen der Krone. Das ist ein Prozeß, der immer über mehrere Jahre läuft.

Auf diese Weise tritt man in einen "Dialog" mit seinem Baum - und das schafft viel Freude und Befriedigung. Bald hat man die Sprache des Baums gelernt und kann sie ganz intuitiv anwenden.


Obstbaumschnitt - eine hohe Kunst?

Zugegeben, es steckt schon ein sehr viel Wissen im fachkundigen Obstbaumschnitt. Wir haben hier nur einen Teil aufgreifen können - die hoffentlich wichtigsten Aspekte. Und die sind auch nur auf den Apfelbaum bezogen. Beim Steinobst etwa gelten viele andere Regeln.

Noch gar nicht angesprochen ist dabei auch das große und wichtige Kapitel des Erziehungsschnitts eines jungen Baumes, also der erste Aufbau einer gutgeformten Krone. Dazu werden wir hoffentlich noch einen eigenen Film machen.

Aber mit dem vermittelten Wissen läßt es sich schon gut in den praktischen Schnitt einsteigen. Man muß nicht gleich die volle Kunst beherrschen, das meiste läßt sich nach und nach über die eigene, praktische Erfahrung mit seinem Baum lernen. Die meisten Fehler lassen sich auch korrigieren.

Dazu soll noch einmal auf die vielleicht wichtigste und schönste Regel des Baumschnitts verwiesen werden: durch die geschnittene Krone muß man einen Hut werfen können. Dann ist für ausreichend Licht und Luft gesorgt, dann können viele und große Früchte angesetzt werden.

Von hier aus läßt sich die hohe Kunst des Obstbaumschnitts nach und nach selber entdecken ...

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