Apfelbaum per Veredelung vermehren - Teil 2

vom 20. Aug. 2009
Experte John-Hermann Cordes zeigt die Technik der Okulation im Sommer
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TEXT UND INFO ZUM FILM

Drehort:
Hermann Cordes Obstbaumschulen in Holm, Schleswig-Holstein
Länge:
5 Min.
Filmkatalog:Praxis
Moderator:
Marc Albano

(Fortsetzung von Teil 1)

Es gibt zwei wichtige Veredelungstechniken für Apfelbäume. Das eine ist das Augen-Veredeln bzw. Okulieren. Das macht man im Sommer, von Juli bis August. Das andere ist das sogenannte Kopulieren oder Pfropfen, welches gewöhnlich im Winter vorgenommen wird. (Darüber machen wir wohl auch noch einen Film zu gegebener Zeit!)

Hier also geht es um das Okulieren (von lateinisch okulus = Auge). Neben der Unterlage (vgl. Begleittext zum ersten Filmteil) braucht man dazu auch noch ein gutes, extrem scharfes und sauberes Okuliermesser. Und einige sogenannte "Okuletten", das sind Schnell-Verschlüsse aus Naturkautschuk, zum Verbinden der Veredelungsstelle.

Als erstes schneidet man sich ein sogenanntes Edelreis von dem Wunschbaum, den man zu vermehren gedenkt. Das ist also ein Ast, möglichst kräftig, aus dem Wachstum des aktuellen Jahres hervorgegangen, aber schon verholzt. Von diesem Reis schneidet man die Blätter bis auf einen kleinen Reststengel ab. (Man kann das Reis jetzt auch z.B. einen Tag lang im Kühlschrank lagern, z.B. in ein feuchtes Tuch gewickelt).

Dann sorgt man dafür, daß an der im Garten aufgepflanzten Unterlage der Stamm direkt oberhalb des Bodens gut sauber und frei von Erdresten ist. Jetzt drückt man zunächst am Reis die verbliebenen Blattstiele einfach ab. An der Stelle, wo das Blatt wuchs, befindet sich auch das Auge. Dieses schneidet man mit dem Messer vorsichtig heraus, wie es der Film zeigt. Dabei darauf achten, daß man das Auge nicht mit den Fingern berührt.

Anschließend nimmt man ganz unten am Stamm der Unterlage einen T-Schnitt vor und setzt dort das Auge ein. Ein Okulette wird darüber gebunden (mittig über das Auge) - fertig. Die Okulette löst sich bald von alleine, z.B. schon nach 2-3 Wochen. Dafür sorgt das fortgesetzte Dickenwachstum des Stammes. Das Auge darunter verwächst dabei über sogenanntes Callus, eine Art Wundgewebe, mit dem Stamm der Unterlage.

Dann wartet man bis zum Ende des folgenden Winters. Nach den Frösten schneidet man radikal den gesamten oberen Teil der Unterlage ab und zwar knapp oberhalb der Veredelungsstelle. In der Folge wird der gesamte Wachstumsdruck des verbliebenen Rests der Unterlage in das eingewachsene Auge gepreßt, welches dann entsprechend kräftig treibt.

Diesen neuen Trieb bindet man an einen hohen Bambusstab mehrfach an, damit er gerade wächst und einen schönen Stamm für den künftigen Baum bildet. Der Trieb wird schon im ersten Jahr (im Falle einer Sämlingsunterlage, also starkwachsend) bis zu 1,80 m hoch.

Im darauffolgenden Jahr bildet sich dann eine Verzweigung im Bereich etwa zwischen 60 cm und 1,80m über dem Boden. Will man den Wunschbaum klein halten, kann man dieses als Endhöhe und Endform behandeln. Dann schneidet man die Spitze des Mitteltriebes jetzt ab.

Will man dagegen einen Hochstamm ziehen, so schneidet man nur das diesjährige Zweigwerk im Herbst oder Winter ganz ab. In der Folge wird der Baum im nächsten Jahr erneut eine Verzweigung bilden, dann aber weiter oben, jenseits der 1,80 m. Das ist dann die endgültige Form (natürlich kann man auch noch weiter den Stamm freistellen, zum Beispiel bis hinauf auf 2,20 m - da hat man alle Freiheit). Man schneidet zuletzt die Spitze des Baumes heraus, so daß das reine Längenwachstum nicht fortgesetzt wird.

Und so ist der Wunschbaum fertig! Die Sache ist einen Versuch wert, oder? ...

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